Website-Relaunch: Ist weniger mehr?

In der medien-sprechstunde am 16. Oktober 2018 ab 18.30 Uhr im Meeet-West, Konstanzer Str. 15A. 10707 Berlin, plaudert Jörg Staude aus dem Nähkästchen. Der Redakteur von Klimareporter° gibt einmalige Insights, wie der Relaunch des Online-Angebots von klimaretter.info zu klimareporter.de geplant wurde und geht auf das Spannungsfeld von Online-Journalismus zu Aspekten wie Usability, Design, SEO bis hin zu Finanzierungsfragen ein.

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Jörg Staude, foto: Klimareporter

Jörg Staude

Ablauf

18.30 – 19.00 h Speed-Networking
19.00 – 19.45 h Vortrag
19.45 – 20.00 h Fragerunde
20.00 – 20.30 h Networking

Hinweis zur Genehmigung Bild- und ggf. Videoverwendung
Mit Ihrem Erscheinen erklären Sie sich einverstanden mit der
zeitlich und räumlich unbeschränkten Verwendung und
Vervielfältigung des bei der heutigen Veranstaltung erstellten,
Sie persönlich identifizierenden Bild- und ggf. Videomaterials
zu Werbezwecken in sämtlichen denkbaren Medien durch die
medien-sprechstunde.

Datum

16. Oktober 2018

Ort

Meeet-West
Konstanzer Str. 15A
10707 Berlin

Interview

Jörg, warum ist beim Website-Relaunch weniger mehr?

Ein entscheidendes Gestaltungselement bei Qualitätszeitungen ist der so genannte Weißraum. Publizistische Produkte, die besonders hochwertig erscheinen wollen, „leisten“ sich viel von diesem Weißraum, der nicht bedruckt wird . Die Frage für uns war, wie man dieses Prinzip auf die Gestaltung von Online-Produkten übertragen kann.

Warum gab es einen Relaunch von klimaretter.info zu Klimareporter°?

Klimawandel und Klimakommunikation haben sich in den letzten Jahren rasant weiterentwickelt. Das aktivistische Profil von klimaretter.info entsprach nicht mehr unseren Ansprüchen an die Wirksamkeit und Reichweite unserer journalistischen Arbeit. Mit Klimareporter° schlagen wir ein neues Kapitel im Online-Journalismus über Umweltthemen auf. Klimareporter.de wird zudem von einem selbstverwalteten Autorenkollektiv betreut, das dazu einen Verlag gründete, an dem die AutorInnen alle die gleichen Anteile halten und dieselben Rechte haben.

Worauf wirst Du in der medien-sprechstunde eingehen?

Im Kern wird stehen, wie ein modernes Online-Portal, das Qualitäts-Journalismus zum Ziel hat, konzipiert und webseitig umgesetzt wurde. Außerdem werde ich die Unterschiede zu üblichen Zeitungs-Portalen sowie zu thematisch verwandten Unternehmens- und Verbandsseiten herausarbeiten.

Was werden die Teilnehmer lernen?

Zentrale Punkte in meinem Vortrag werden sein:
– wie moderner, tagesaktueller Qualitäts-Journalismus sich online im Netz präsentieren kann,
– wie das Zusammenspiel von Text, Bild und grafischen Elemente im Vergleich zu anderen Seiten
funktioniert,
– wie die Aufmerksamkeit des Lesers auf das Wesentliche konzentriert wird und
– wie werbliche Elemente eingebettet werden können.

Was machst Du bei klimareporter.de?

Seit rund 30 Jahren bin ich journalistisch auf dem Gebiet Wirtschaft, Umwelt und Energie unterwegs und „landete“ ab 2014 freiberuflich beim Online-Portal klimaretter.info und wurde dort nach einiger Zeit Leitender Redakteur. Für Klimareporter° bin ich als einer der beiden gleichberechtigten Geschäftsführer des Verlages tätig. Zugleich arbeite ich freiberuflich für das Portal. Thematisch konzentriere ich mich auf die Themen Kohleausstieg, Stromsystem, Erneuerbare Energien etc. pp..

Zusammenfassung

In dieser medien-sprechstunde ging es um Reduktion:

Jörg Staude, Redakteur bei klimareporter° und Geschäftsführer des KJB KlimaJournalistenBüro, erklärte uns, was beim 18-monatigen Relaunch des unabhängigen Online-Magazins zum Klimawandel verändert wurde. Im Mai 2018 war es so weit. Die neue Website ging online und trat die Nachfolge des Portals klimaretter.info an. Inzwischen sind 90 % der Leser zum neuen Angebot gewechselt.

„Der Relaunch war ein radikaler Neuanfang“, meinte Jörg Staude in seinem Vortrag. „Der ursprüngliche Titel spiegelte das alte Zeitungsdenken wider. Uns ging es um konsequentes Entschlacken.“

– Statt 20 gibt es jetzt nur noch 3 Rubriken auf der Startseite und das soll auch so bleiben.
– Der geschaffene Weißraum bleibt ein Qualitätsmerkmal.
– Es gibt keine Zierelemente und keine Seitenteilung.

Reduktion auf das Wesentliche bedeutet, es geht um 3 Elemente: Die Überschrift, den Teaser und ein Bild.

„Die Überschrift ist das Wichtigste und sorgt für Aufmerksamkeit. Hier steckt am meisten Kreativität drin. Sie muss möglichst kurz und originell sein. Weitere Vorgaben haben wir nicht.“

„Ohne ein Bild geht es nicht. Auch wenn wir vor allem ikonographische Bilder verwenden oder eine Grafik ist das sehr wichtig. Die Leute sehen sich stundenlang Bildergalerien online an,“ schüttelt Jörg Staude verwundert den Kopf.

Auch inhaltlich wurde das Online-Magazin umgestaltet:
– Alle Texte werden gleich behandelt. Es gibt keine großen und kleinen Textteile mehr.
– An Textsorten gibt es nur noch Berichte, Interviews und Kommentare.

„Wir haben uns auch vom Aufmacherdenken wie bei einem Printprodukt verabschiedet, wobei ein Thema eine ganze Ausgabe dominiert. Wichtiger für uns sind meinungsstarke Beiträge unserer Autoren.“

Für gute Resonanz sorgt die Konzentration auf exzellente journalistische Inhalte. Es gibt keine Vorgaben für SEO-optimierte Texte.

„Das macht Inhalte einförmig und führt zu Wiederholungen. Wichtiger sind uns Schnelligkeit und Exklusivität. Wenn wir bei Twitter sehen, dass wir schneller als Nachrichtenagenturen sind und Themen aufgreifen, die andere nicht haben, ist das für uns ein Merkmal für Qualität.“

Jeder Text wird zwar mit Keywords versehen, aber es gibt keine gekaufte Reichweite.

„Wir werden zwar nie vor dpa, FAZ und Welt in den Suchergebnissen zu einem Thema auftauchen, aber wir haben eine feste Community, die uns liest, gern auch nachts. Für die Verbreitung der Inhalte spielt für uns Twitter eine wichtige Rolle mit inzwischen 7.400 Followern.“

Deshalb gehen Beiträge online, wenn sie fertig sind. Der reguläre Veröffentlichungszeitraum liegt jedoch zwischen 8 und 20 Uhr.

Auch beim Online-Magazin gibt es klare Zuständigkeiten: Es gilt das Chefredakteursprinzip und jeder Text wird von einem anderen Redakteur gegengelesen.

Das Online-Magazin ist kostenlos. Es finanziert sich im Moment über die Community, Advertorials und Werbung.

Da der Förderverein Klimawissen e.V. ab 1. Januar 2019 gemeinnützig sein wird, können in Zukunft auch Gelder von Stiftungen für das Magazin genutzt werden.

Hier geht es zu einem Interview mit den Designern zum Relaunch:
https://www.klimareporter.de/gesellschaft/einen-eisberg-wollten-wir-auf-keinen-fall

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